Montag, 9. November 2009

Aus geg. Anlass ...

... ein Blog-Post zu Deutschland & Europa. Der Fall der Mauer heute vor 20 Jahren führte wenig später zur Wiedervereinigung und zur deutsch-deutschen Währungsunion. Und von da war es nur ein "historischer Katzensprung" bis zur europäischen Währungsunion. Was das nun für Deutschland und Europa bedeutet, das steht zur Abwechslung mal nicht hier im Blog, sondern im Partner-Blog des Graduiertenkollegs GFinM. Hier der Link zum dortigen (ausführlichen) Blog-Post: Aus geg. Anlass

PS: Bitte die Zeit des Blog-Posts beachten. Um 21:20 vor 20 Jahren öffnete sich in Berlin der Grenzübergang Bornholmer Straße.

Sonntag, 8. November 2009

Überraschung: Gordon Brown für Tobin-Steuer

Offenbar hat der britische Premierminister damit alle überrascht: Brown floats idea for global tax on banks, schreibt die Financial Times. Und die FAZ meint: Vorstoß zu Finanzmarktsteuer spaltet G20. Der Vorschlag zielt auf die Einführung einer globalen Steuer auf Finanzmarkttransaktionen, die üblicherweise als Tobin-Steuer bezeichnet wird. Ziel ist letzten Endes die Reduzierung transnationaler spekulativer Kapitalströme. "Sand ins Getriebe der internationalen Finanzmärkte", ist die Devise. Für Nobelpreisträger James Tobin war allerdings das hauptsächliche Ziel der Steuer die Rückgewinnung größerer Unabhängigkeit für die nationale Geldpolitik, und zwar durch Reduzierung der grenzüberschreitenden Kapitalmobilität.

International scheint Brown mit seinem Vorschlag isoliert zu sein - von einigen wichtigen Ausnahmen abgesehen. Doch wer weiß, vielleicht gewinnt die politische Debatte dazu eine Eigendynamik, die man jetzt noch nicht vorhersehen kann. Schau mer mal ...

Samstag, 7. November 2009

USA vs. China

Kein Fußballspiel, auch kein Krieg, aber ein langsam eskalierender Streitfall bei der WTO, und zwar wegen Rohstoffen. Darüber berichtet das Handelsblatt: USA ziehen gegen China vor die WTO. Textauszug:

Kurz vor der ersten großen Asienreise von US-Präsident Barack Obama sind die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China eskaliert. Die USA haben vor der Welthandelsorganisation WTO Beschwerde gegen Chinas Exportbeschränkungen für strategische Rohstoffe eingelegt.

China hatte während des Rohstoffbooms vor zwei Jahren die Ausfuhr von Zink, Magnesium und anderen Materialien beschränkt. Dieser Schritt sei notwendig gewesen, um "unsere Umwelt und begrenzten Ressourcen zu schützen", sagte eine Sprecherin des chinesischen Handelsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die USA, die EU und Mexiko hatten zunächst versucht, den Streit durch Verhandlungen beizulegen, so eine US-Handelssprecherin. Vergeblich.
mehr...

Wenn man bei der WTO genauer nachschaut, so stellt sich heraus, dass der Kasus nicht so neu ist. Unter der Nummer DS394 ist er dort seit dem 23. Juni anhängig. Hier kann man auch nachlesen, worum es genau geht:

... China's restraints on the export from China of various forms of bauxite, coke, fluorspar, magnesium, manganese, silicon carbide, silicon metal, yellow phosphorus, and zinc ...

Hier das Originaldokument in der Datenbank der WTO. Die USA sind dabei nicht allein. Ebenfalls seit dem 23. Juni ist eine Klage der EU gegen China anhängig (DS395), und seit dem 21. August auch eine von Mexiko (DS398).

Fazit: Kampf um Rohstoffe -- das wird das große Thema des 21. Jahrhunderts.

Donnerstag, 5. November 2009

Bambi und der kalte Krieg

Unser Bambi ist (zur Abwechslung) weiblich, heißt Ahornia und trägt einen GPS-Sender. Sie lebt im Nationalpark Bayrischer Wald, in einem Revier entlang der tschechischen Grenze, dem ehemaligen "Eisernen Vorhang". Der Clou: Die Wanderungen von Ahornia und ihrem Rudel hören noch immer am ehemaligen Eisernen Vorhang auf, obwohl dieser schon 20 Jahre lang nicht mehr existiert. Die Grenze ist offen, aber die Tiere gehen nicht rüber. Erinnerung kann es nicht sein, denn die Tiere wurden lange nach der Wende geboren. Eher kollektive Gewohnheiten, die von Generation zu Generation im Rudel weitergegeben wurden: "Da gehen wir nicht rüber, sowas machen wir nicht."

Berichtet wird dies im Wall Street Journal: Deep in the Forest, Bambi Remains The Cold War's Last Prisoner. Und gefunden haben ich den Link zu diesem Artikel im Blog eines kanadischen Entwicklungsökonomen, der an einer US-Uni lehrt: The Last Cold Warriors -- Red Deer.

Warum ist sowas eigentlich aus US-Sicht interessant? Weil es ein Schlaglicht auf die Mauer in den Köpfen der Deutschen wirft, was man dort mit einem gewissen Amüsement verfolgt. Aber es gibt Hoffnung, und zwar bei den Jungen. Zitat aus dem WSJ:
[...] the animals behaved very traditionally [...] The former border was in the minds of the animals. But some of the young animals are searching for new territory. They are more and more deleting the border behavior that was there before.

Vgl. dazu diesen deutschen Blogbeitrag: Marginalie -- Die Mauer in den Köpfen

Mittwoch, 4. November 2009

Die Stimmen der Anderen: EU froh über Opel/GM

Die Info-Webseite EurActiv.com berichtet: EU relieved as GM drops disputed Opel sale. Will heißen: Abgesehen von der deutschen Bundesregierung ist der gesamte Rest der EU froh darüber, dass GM Opel behalten will. Warum? Viele Gründe. Unter anderem die Einwände der EU-Wettbewerbshüter gegen die satten Beihilfen, die die Bundesregierung für Opel zu zahlen bereit war. Außerdem die Angst anderer Opel-Standortländer, dass eine durch die Bundesregierung finanzierte Herauslösung von Opel aus GM zu Werksschließungen bei ihnen zu Gunsten des Erhalts von deutschen Opel-Standorten führen würde.

Mein persönliches Fazit: Die plötzliche Entscheidung von GM, Opel doch nicht zu verkaufen, bedeutet zwar einen "Gesichtsverlust" für die Bundesregierung, doch am Ende erspart sie sich dadurch sehr viel nachgelagerten Ärger mit den EU-Partnern, der ansonsten unvermeidlich gewesen wäre.

PS: Zur Ergänzung noch die Äußerungen von EU-Industriekommissar Günther Verheugen in der deutschen Presse: Die Entscheidung von GM für seine europäischen Standorte ist eine Chance.

Keine Lust auf argentinische Finanzabenteuer?

Kein Problem, es gibt genug Alternativen. Die Lücken der Finanz-Weltkarte schließen sich, meint jedenfalls die FAZ. Will heißen: In immer mehr Ländern dieser Welt stehen Anlegern bequeme Anlagemöglichkeiten zur Verfügung. Die Karte rechts veranschaulicht dies. Die Investmentalternativen sind farblich kodiert; von dunkelrot = vollentwickelt über einige Zwischenstufen bis herunter zu hellblau für die am wenigsten entwickelten Ländern. (Durch Anklicken gelangt man zur großen Originalkarte.)

Man kann die Finanz-Weltkarte natürlich auch andersrum betrachten: Solange es noch "blaue Flecken" auf der Karte gibt, so lange ist die weltweite Kapitalmöbilität nicht "perfekt" (wie es in ökonomischen Standardmodellen gerne angenommen wird). Insbesondere die blauen Länder werden Schwierigkeiten haben, private Finanzmittel an sich zu ziehen und werden weiter hauptsächlich auf ODA (= Official Development Assistance) angewiesen sein.

Samstag, 31. Oktober 2009

Es gibt ein Leben nach dem ...

Wir haben nichts und wir geben auch nichts... Staatsbankrott. Der Beleg: Argentiniens zweiter Anlauf. (Handelsblatt) Hintergrund dazu:
  • 2001 erklärt Argentinien den Staatsbankrott und stellt die Rückzahlung auf Anleihen von über 95 Mrd. Dollar ein.
  • 2005 bietet es den Gläubigern neue Anleihen an, wobei die Gläubiger durch die Anleihenkonversion 70 Prozent Verlust hinnehmen müssen.
  • Besitzer von Anleihen über 20 Mrd. Dollar machten bei der Umschuldung nicht mit. Diesen wird jetzt ein neues Angebot zur Anleihenkonversion unterbreitet, das allerdings noch ungünstiger als das aus 2005.
Argentinien hat gute Chancen, damit durchzukommen. Letzten Endes ist es die Weltfinanzkrise, die's möglich macht. Sie hat zur Flucht in Staatspapiere geführt. Um nicht nur Anleihen aus den USA, Europa oder Japan im Portfolio zu haben, wenden sich die Anleger auch wieder den Schwellenländern zu. Davon profitiert Argentinien, das als Rohstoffexporteur z.Zt. ohnehin nicht schlecht dasteht.

Fazit: Wenn die Bedingungen günstig sind, dann werden einem am Finanzmarkt alle Sünden erlassen.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Wer finanziert das deutsche Defizit?

Die FAZ antwortet: Hälfte der Bundesanleihen geht an Notenbanken. Textauszug: Selten fiel Schuldenmachen so leicht. Ein weiteres Zeichen, dass die Krise noch nicht vorbei ist. Die Anreize zum Sparen sind in dieser Lage natürlich gering (für die Regierung). Die Rechnung wird aber irgendwann in der Zukunft präsentiert.

Montag, 26. Oktober 2009

Wer bitte ist Günther Oettinger?

Das war laut Focus die spontane Frage von Kommissionspräsident José Manuel Barroso, als er von Oettingers Nominierung für den Posten des Wettbewerbskommissars hörte. Auch sowas gehört zum Gebiet der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Aus dem Focus-Artikel:

In Brüssel rümpft die internationale Polit-Elite die Nase über den Regionalpolitiker. Taugt einer aus der „Provinz“ für ein gewichtiges EU-Ressort? [...] Vom Profil her bleibt der deutsche Ministerpräsident hinter den Kommissarsvorschlägen anderer EU-Mitglieder zurück. Polen schickt einen Ex-Minister und vormaligen Europaparlamentarier, Belgien einen Ex-Außenminister, Frankreich mit Michel Barnier einen Intimus von Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Allesamt besitzen reichlich Erfahrung auf dem internationalen Parkett, die meisten sprechen mehrere Sprachen. Beides kann Oettinger nicht von sich behaupten. mehr...

Für die Frankophonen hier der entsprechende Eintrag aus dem Brüsseler Insider-Blog Coulisses de Bruxelles. Der Tenor ist derselbe. Zitat: Cette nomination surprise...

Noch wichtiger: Durch diese Nominierung in bester bundesdeutscher Tradition (die hierzulande abgehalfterten nach Brüssel abzuschieben) verzichtet die Bundesrepublik auf weit höhere Posten, die ihr nach Brüsseler Meinung zugestanden hätten -- so z.B. auf den neu geschaffenen Posten des EU-Außenministers.

Abschließender Hinweis: Diese Nominierung bedeutet nicht, dass Oettinger dieses Amt definitiv erhalten wird, obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür hoch ist.

Die Finanzmisere im Bild

... zeigt das Bundesfinanzministerium (vgl. Bild rechts mit Link zum Original).

Die krisenbedingte Misere der Länderfinanzen wird in den kleinen bunten Säulen deutlich. Links die Einnahmen, die nach unten zeigen, am stärksten in den bisher finanzstarken westlichen Bundesländern. Rechts die Ausgaben; sie zeigen nach oben. Ergebnis: Finanzierungslücke (vulgo: wachsendes Defizit).

Die einzige seltsame Ausnahme bei den Ausgaben auf der rechten Seite ist die dicke blaue Säule nach unten: Die Bauausgaben der neuen Bundesländer. Warum nehmen die eigentlich um 14 % ab? Gab's da nicht zwei Konjunkturpakete? Wurde hier schon alles gebaut, was überhaupt gebaut werden kann, oder war man beim Geldausgeben nicht fix genug?

PS: Quelle ist der digitale Monatsbericht des BMF, der noch viele andere interessante Infos enthält.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Dem designierten Finanzminsiter Wolfgang Schäuble wird vor Amtsantritt erstaunlich viel Anerkennung zu Teil -- wohl weil er den schwierigsten Job in der neuen Regierung haben wird und auch dafür, dass er die Wahrheit sagt:

Schäuble hält ausgeglichenen Haushalt für Utopie (Welt; das Originalinterview)

Schäuble schwört Deutsche auf Schuldenstaat ein (Spiegel)

Schäuble schließt ausgeglichenen Haushalt aus (FTD)

Wir fahren auf Sicht (sueddeutsche)

Was Schäuble da sagt, ist - in Analogie zu der berühmten Adenauer-Anekdote - zwar die reine Wahrheit, aber nicht die ganze, denn wenn die neue Regierung nicht auf Steuersenkungen bestehen würde, dann könnten die Schulden entsprechend geringer ausfallen.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Voodoo-Wirtschaft

Jeder Buchhaltungslehrling weiß: Wenn zu wenig Geld da ist (zu viel ist ja eher selten da), dann muss man die Einnahmen erhöhen, die Ausgaben senken, oder mehr Schulden machen. Für den Staat heißt das: Steuererhöhung, Ausgabenkürzung oder Schuldfinanzierung. Etwas viertes gibt es nicht (wenn wir die russische Lösung, einfach mal die Renten oder die Gehälter der Staatsbediensteten nicht auszuzahlen, außer Acht lassen).

In der Bundesrepublik ist die Lage eigentlich klar:
  1. Wir sind Island, nur halt nicht ganz so schlimm. Ergo: Der Staat muss den Gürtel enger schnallen.
  2. Kurz vor der Wahl wurde die sog. Schuldenbremse beschlossen. Sie beinhaltet (kurz gesagt) für die Regierung die Pflicht, den Staatshaushalt ohne Defizit auszugleichen.
  3. Im Wahlkampf wurden Steuersenkungen versprochen.

Daraus folgt:

  1. Die Regierung muss Ausgaben kürzen, und zwar wirklich bis es quietscht.
Gleichzeitig aber ...
  1. will die Regierung mehr Geld ausgeben, z.B. für Bildung.

Damit bleibt nur

Alternative A: Zurück zu 1. :(

Oder

Alternative B: Man erfinde den Schattenhaushalt. Tja, es gibt also doch etwas viertes :)

Sueddeutsche.de ist berechtigerweise empört: Tricksen, täuschen, verschleiern.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Nie war er so wertvoll wie heute

Die Rede ist vom Euro. Der EZB wird offenbar himmelangst angesichts seiner Wechselkursentwicklung gegenüber dem US-Dollar.

Google-Suche nach "strong euro" ecb gibt reihenweise Artikel in In- und Ausland. Viele sind aktuell, viele aber auch schon Jahre alt, was zeigt, dass dieses Problem nicht neu ist. In der Tat, wenn man die Wechselkursgraphik in längerer Perspektive anschaut, so sieht man, dass der Euro auch schon mal stärker war.

Die EZB reagiert hilflos angesichts dieser Euro-Rallye (FTD), die laut Handelsblatt Kernbranchen der deutschen Wirtschaft gefährdet. Ok, Wechselkurspolitik gehört aus rechtlicher Sicht nicht zu den Kernaufgaben der EZB. Aber die EU wird sich etwas überlegen müssen, falls im Kontext einer schwächelnden US-Präsidentschaft der Dollar zur Krisenwährung werden und die Weltwirtschaft nachhaltig aus dem Gleichgewicht geraten sollte. Die Älteren unter uns kennen das: Unter Präsident Jimmy Carter (auch er Friedensnobelpreisträger) erreichte der Dollar seinerzeit Rekordtiefstände. Und der Blutdruck des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt erreichte darob Höchststände ...

Montag, 19. Oktober 2009

Vista þar til það squeaks ...

... ist laut Google-Übersetzer die isländische Version von "Sparen bis es quietscht". Helmut Steuer - Nomen est Omen - schreibt im Handelsblatt über die fiskalischen Folgen der isländischen Insolvenz: Islands Steuerzahler müssen für Hilfen bluten. Eingangs heißt es:
Island hat die wichtigste Hürde für die Auszahlung dringend benötigter ausländischer Hilfen überwunden – doch jubeln können die 320 000 Isländer nicht. Bis 2024 sollen die Insulaner umgerechnet 3,8 Mrd. Euro nach London und Den Haag überweisen, mehr als zwei Drittel eines kompletten Jahreshaushaltes. mehr...
Weiter heißt es, dass die Regierung für die kommenden drei Jahre eine Kürzung der Staatsausgaben um jeweils 30 Prozent(!) beschlossen hat. Steuersenkungen werden mit Sicherheit in Island nicht drin sein. Im Gegenteil, eher zu erwarten sind neue und oder höhere Steuern.

Warum ist eigentlich Island, das dieselbe Einwohnerzahl hat wie z.B. Halle (Saale) in seinen besten Jahren, so interessant? Warum wenden wir uns nicht einfach achselzuckend von dem Winzling ab? Nun ja, abgesehen davon, dass die Isländer Europäer sind und in einigen Jahren ein willkommenes Mitglied der EU sein könnten, ist vielleicht das, was dort jetzt passiert, auch eine Art Vorahnung von dem, was auch anderen (weit größeren) Ländern blühen könnte. Alles dort ist eben ein bissl extremer, aber das heißt nicht, dass es uns nicht ähnlich gehen könnte.

Nachtrag: Ob staatlicher Schuldenabbau, Krisenfolgenbeseitigung und Steuersenkungen wirklich zusammenpassen, wird auch bei uns zunehmend diskutiert: Länder machen Front gegen Steuersenkungen. Und dann noch dies: Merkel nimmt den Fuß von der Schuldenbremse.

Gastblog aus Addis Ababa #2

Welt Archivbild Tobias Weirowski, wiss. MA im Fach Internationale Wirtschaftsbeziehungen, berichtet von seiner Exkursion, die ihn aus Addis Ababa in die äthiopischen Provinzen geführt hat:

Mit dem Besuch eines Freundes aus Deutschland startet auch ein gemeinsamer Trip zu den touristischen Highlights Äthiopiens. Leider wird der Start durch Krankheit getrübt, was sich aber mit Antibiotika ändern lässt. Es geht mit dem Flieger Richtung Norden. Genauer gesagt nach Lalibela, berühmt für seine Felsenkirchen, die auch Teil des Weltkulturerbes sind. Es ist mindestens so beeindruckend, wie man es von monolithischen Kirchen erwarten würde und wohl ein Muss für jeden Äthiopienreisenden. Neben den beeindruckenden Bildern nehmen wir aber auch ein Andenken in Form zahlloser roter Bisswunden von nicht näher identifizierten mikroskopisch kleinen Bettgefährten mit, die uns noch eine Weile beschäftigen werden.

Der nächste Flieger bringt uns nach Axum, hier befindet sich die Quelle des axumischen Reiches, von dessen Hochkultur die weltberühmten Stelen und die Bundeslade mit den 10 Geboten zeugen. Uns wird auch ein in Tücher gehülltes bebildertes Buch gezeigt, das mehr als 1000 Jahre alt ist. Dann kommt der Schock: Auf die erste der ledernen Seiten hat man doch tatsächlich mit Filzstift in riesigen Lettern eine Registriernummer geschrieben. Das gleiche gilt für jahrhundertealte Kronen im Museum.

Für den Abend werden wir in eine Sprachschule eingeladen, damit die Schüler sich üben können im Kontakt mit „Ferenschis“. Es sind dort knapp 40 Interessierte im Alter von ca. 12-19 Jahren. Wir als Ehrengäste sitzen auf dem heißen Stuhl vor der Klasse und werden dann fast 2 Stunden lang mit Fragen eingedeckt, deren Antworten gar nicht so einfach sind. Ein Beispiel: „Äthiopien war einst eine Hochkultur, aber dennoch ist es jetzt eines der ärmsten Länder – wie kommt das?“ (Ich zitiere diese Frage, weil sie es in sich hat und verweise dabei auf die Kommentarfunktion im Blog.) Weitere Themen waren Korruption, Werte und Religion. Wir hatten wirklich nicht erwartet, derart ins Schwitzen zu geraten.

Über die Paläste in Gondar ging es weiter zu den Fällen des blauen Nils in Bahar Dar und den teils nur von Mönchen bewohnten Inseln im Tanasee. Um uns wieder mit Landeswährung auszustatten, mussten wir zurück nach Addis. Für die ca. 8-stündige Fahrt arrangierten wir eine Mitfahrgelegenheit in einem 4x4 Jeep. Morgens um 4 wurden wir tatsächlich abgeholt -- und wie sollte es anders sein: Der Jeep entpuppt sich als landesüblicher Minibus, in dem wieder 14 Leute mitfahren, und aus den 8 Stunden werden 11 :(( Besonders hart trifft es meinen Begleiter, der über preußisches Gardemaß (1,95m) verfügt. Kurz vor Addis gibt es bei Regen und glatten Reifen einen Beinahe-Unfall mit Kühen, die -- zusammen mit Eseln, Ziegen und Hunden -- hier regelmäßig die Straßen bevölkern. Der Fahrer kann den Bus gerade noch abfangen. Jetzt sind alle Mitfahrer wieder hellwach.

Nach dem Kulturprogramm des Nordens näherten wir uns den Krokodilen im Nech Sir Nationalpark im Süden des Landes. Als allerdings ein 3-Meter Croc zum Gegenangriff überging, offenbar um sein Territorium zu verteidigen (oder weil es in uns die tägliche Fleischration sah?), mussten wir uns da schnell aus dem Staub machen. Die Städte Arba Minch und Jinka gelten hier als das Ende der Zivilisation. Ab diesem Punkt wird es dann für Anthropologen richtig interessant. Nach den letzten verlässlichen Tankstellen kann man zu nomadischen Naturvölker weiterreisen, was uns aufgrund der Kürze der Zeit leider nicht mehr möglich war. [Typisch: Da wo Anthropologen zu voller Form auflaufen, drehen Ökonomen um, weil's keine Tankstellen mehr gibt ;) (Der Herausgeber)]
Unbeschrieben und vielleicht auch unbeschreiblich, zumindest in diesem Blog, bleiben die freundlichen Menschen und die sehr persönlichen Eindrücke dieser Reise. Es würde mich nicht stören, die Zeit manchmal zurück zu drehen.

Nun steht wieder die Uni auf dem Programm mit dazu passendem wolkenverhangenem Himmel über Addis.

Tobias Weirowski
Hinweis: Hier klicken zum ersten Gastblog aus Addis Ababa.

PS: Das Foto oben rechts stammt aus seriöser Quelle: Dieser Text kann Urlauberleben retten (Welt) (Der Herausgeber)

Dollarreserven ...

... man kann auch zu viel davon haben, meint Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehem. Chefökonom des IWF: China's Dollar Problem.

Hintergrundinformation: Wikipedia (englisch) bietet eine Liste der Währungsreserven pro Land.

Zum Abschluss ...

... der Wall Street-Serie, hier eine Bilderserie ("Rogues Gallery") der gefallenen Stars der Finanzbranche aus der Financial Times Deutschland.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Wall Street: Reich wegen Regierungshilfen

Yves SmithDarüber berichtet die New York Times. In Bailout Helps Fuel a New Era of Wall Street Wealth wird die in letzter Zeit zu beobachtende Gewinn- und Bonusexplosion an der Wall Street untersucht.

Eigentlich wenig überraschend, diese fetten Zeiten an der Wall Street. Banken erhalten von der Zentralbank reichlich Kredite für lau (will heißen: die Refinanzierungszinsen sind auf einem historischen Tief) und haben viele viele Milliarden an staatlichen Schuldverschreibungen (aus den riesigen Konjunkturpaketen), mit denen sie zocken handeln können (= satte Einnahmen aus Maklergebühren u.ä.). Ach, und nicht zu vergessen: Die Konzentration in der Finanzbranche, die weniger, aber gleichzeitig mächtigere Finanzinstitute geschaffen hat. Wer's da nicht schafft Gewinne zu machen, dem ist wohl nicht zu helfen.

Doch halt, ganz so einfach ist das nicht. Yves Smith (Bild rechts) -- ex-Investmentbankerin, Consultant und Über-Bloggerin -- greift das Thema in ihrem Blog (http://www.nakedcapitalism.com/) auf und diskutiert es ausführlich: Quelle Surprise! Banking Profits May Be Due to Big Government Subsidies. Sie weist darauf hin, dass Bank nicht gleich Bank ist. Textauszug:
Titans like Goldman Sachs and JPMorgan Chase are making fortunes in hot areas like trading stocks and bonds, rather than in the ho-hum business of lending people money. They also are profiting by taking risks that weaker rivals are unable or unwilling to shoulder — a benefit of less competition after the failure of some investment firms last year. [...] Not all banks are doing so well. Giants like Citigroup and Bank of America, whose fortunes are tied to the ups-and-downs of ordinary consumers, are struggling to turn themselves around, as are many regional banks. mehr...
Will heißen: Den wertpapier- und spekulationsorientierten Finanzinstituten geht's prima. Aber die Banken, die das tun, was Banken eigentlich tun sollten -- nämlich Unternehmen und Haushalten Kredite geben -- sind immer noch nicht aus dem Schneider. Und dementsprechend sind auch die Kreditmärkte noch nicht wieder im Lot. Und damit ist auch die Finanzkrise noch nicht vorbei.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Es muss doch ein Thema geben ...

... wo wir uns auf einen Sündenbock Konsens einigen können ;) Vielleicht dieses: Wall Street. Auf dem Weg zu neuen Rekordboni (FAZ). Noch letztes Jahr meinten alle, dieses Problem gehöre der Vergangenheit an. War offenbar ein Fehlschluss. Die Probleme der Corporate Governance, die aufgeblähte Boni möglich machen, bestehen unvermindert weiter.

PS: Hier ein Rückblick zum Thema Banker-Boni. Insbesondere dieser Blog-Post enthält einen Link zu einer interessanten empirischen Forschungsarbeit zum Thema exzessiver Einkommen im Finanzsektor.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

USA und Russland ...

... in schönster Harmonie, titelt die Süddeutsche. Man reibt sich die Augen - echt?

Tatsächlich hat die Obama-Administration den Russen einiges zu Gefallen getan (man denke nur an die Absage an W's nuklearen Verteidigungsgürtel in Osteuropa) und auch die Atmosphäre hat sich verbessert. Moskau fühlt sich geschmeichelt. Doch der Artikel folgert ganz richtig:
Moskaus Interessen sollten eigentlich über die Gier nach Prestigegewinn hinausgehen. Auch die Strategen im Kreml wissen, dass zu echter Macht mehr gehört als ein Arsenal angejahrter Atomraketen und das ewige Stimmrecht im UN-Sicherheitsrat. Schafft es Russland nicht, langfristig zu einer stabilen und starken Wirtschaftsmacht zu werden, wird Moskaus Einfluss begrenzt bleiben. Wohl deshalb werden amerikanische Unternehmen von Russland nun zunehmend hofiert. Auch darin liegen Chancen für ein entspanntes Verhältnis der neuen Freunde von Moskau und Washington - im Schatten aller Politgipfel. mehr...

Ok, doch was bedeutet das konkret: Wird es jetzt endlich etwas werden mit Russlands Mitgliedschaft in der WTO? Die russische Bewerbung ging vor 16 Jahren ein :o Außer Algerien wartet niemand länger. In den letzten Jahren hakte es nur noch am Veto der USA...

Der Fall (von) Sarrazin

Wenn der Fall Klaus (bitte mit "K", nicht mit "C") zu kontrovers werden sollte, dann gibt es da noch einen anderen Konfliktfall, der seit Ende September im Schatten der Koalitionsgespräche vor sich hin köchelt. Die Großkopfeten im fernen Berlin haben wohl keine Zeit, sich um Personalquerelen in der Frankfurter Provinz :) zu kümmern. Doch langsam wird das zu einem Fall von bundesdeutschen Dimensionen.

So fing's an: Hassrede auf Berlin. Der Bundesbank ist ihr Vorstand Sarrazin peinlich (Welt)

Dann kam dies: Bundesbank-Chef legt Sarrazin Rücktritt nahe (Spiegel)

Dann kam raus, dass es um mehr geht, als um den Ausrutscher eines Berufspolitikers, der eh schon für seine publizistischen Blutgrätschen ;) bekannt ist: Was der Fall Sarrazin über die Bundesbank verrät (FAZ)

Und nach der heutigen Degradierung von Sarrazin (Financial Times Deutschland) ist die Krise bei der Buba offenkundig: Weber/Sarrazin: In herzlicher Abneigung verbunden (Focus)

In einer Zeit, in der die Bundesbank mehr Einfluss an sich ziehen will (vor allem in der Bankenaufsicht), kommt dieser interne Konflikt äußerst ungelegen. Er schwächt die Bundesbank: Der Fall Sarrazin ist ein Rückschlag für Weber (Welt)

Nachtrag: Interessant, die Reaktionen auf diese Entscheidung sind nicht eindeutig contra Sarrazin, weder in der Politik noch in der Presse.

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